Blog-Eintrag

Nadir-Bearbeitung in Affinity Photo

Auch perfekt gestitchte Panoramen brauchen zur Perfektionierung eine Nachbearbeitung in einer Bildbearbeitungs-Software. Für globale Kontrast- und Tonwertanpassungen reicht da Lightroom oder ein beliebiges Bildbearbeitungsprogramm völlig aus. Für diese Bearbeitung ist es auch egal, in welcher flachen Projektion das Panorama vorliegt, also ob es sich um ein Flächen-, Zylinder- oder Kugelpanorama in equirectangularer Projektion ("Equi") handelt.

Sollen aber in einem voll sphärischen Panorama Bereiche retuschiert und/oder ein Nadir-Patch vorgenommen werden, ist das aufwendiger. Früher hat man dazu das Equi in eine Würfelprojektion überführt und dann die zu bearbeitende Würfelfläche extrahiert. Das flache Teilbild, z.B. die südliche Würfelfläche, ließ sich dann in Photoshop bearbeiten, nach der Bearbeitung wieder in die Würfelprojektion einbauen ("Patch") und diese dann wieder in ein Equi reprojizieren. 

Wesentlich eleganter geht das inzwischen mit der Live-Editing-Funktion von Affinity Photo. Hier will ich auf diese Möglichkeit mit Affinity Photo hinweisen. Einfacher und schneller kann man sein gestitchtes Panorama nicht nachbearbeiten.

Affinity Photo von Serif macht seit 2015 Adobe’s Photoshop als pixelbasierte Bildbearbeitung das Feld streitig. Auch ich habe die so teuer erstandene Adobe-Suite wegen Adobe's neuer Lizenzpolitik verbannt und nutze seither Affinity Photo und Designer auf allen Mac's. Inzwischen ist Affinity Photo auch für Windows verfügbar - und kann m.E. alles schneller, einfacher und besser.
Serif stellt übrigens jede Menge Affinity Tutorials kostenlos bereit.

Die Schwierigkeit bei der Nachbearbeitung voll sphärischer Panos liegt darin, dass diese als equirectangulare Projektion vorliegen. Im Polargebiet ist diese flache Darstellung extrem gedehnt und eine lokale Nachbearbeitung so kaum möglich. (Wem das nicht klar ist, dem empfehle ich diesen Blog-Beitrag auf der PT4Pano Homepage zu lesen).  
Die Möglichkeit der Bildbearbeitung direkt in der Kugelprojektion („360° Live-Editing“) erleichtert daher den Vorgang entscheidend.

Doch bevor ich mit viel Text versuche, das zu erläutern, schauen Sie es sich hier einfach an:

 Diese original Affinity Tutorials sind auf Englisch. Die Bedienoberfläche des Programms spricht auch Deutsch.

Die wesentlichen Schritte für die Bearbeitung eines voll sphärischen Panoramas, das in der equirectangularen Projektion vorliegt, sind also

  1. Darstellen des Kugelpanoramas als Live-Projektion über  Ebene / Live-Projektion / Equirectangulare Projektion

  2. Retuschieren, z.B. mit dem Repair-Tool (Restaurier-Pinsel oder Reparierpinsel)

  3. ggfs. Korrektur des Horizonts (Roll) usw.

  4. Überlagerung und Tonwertanpassung eines Logos o.ä. als Nadir-Patch

  5. beliebige Bildbearbeitung, also globale oder lokale Tonwertanpassungen, Schärfen, Entrauschen usw. mit Hilfe von Filtern 

  6. „Merge down“: alle generierten Ebenen (Filter, Überlagerungen) müssen dann mit der Hintergrundebene, also dem nativen Panorama zusammengelegt werden

  7. final: Umschalten auf „normale“ Darstellung als equirectangulare Projektion

  8. Export des überarbeiteten Panoramas z.B. als JPG

Diese Art der Panorama-Nachbearbeitung direkt in der Kugelprojektion ist eine tolle Sache. Einfacher und schneller geht es definitiv nicht. Wichtig ist nur, dass ein Zusammenführen der generierten Ebenen mit dem Hintergrundbild erfolgen muss bevor dessen Live-Projektion verlassen wird. Mit der Zusammenlegung werden dann alle Änderungen destruktiv in das Kugelpanorama übernommen.

Übrigens: Photoshop CC bietet inzwischen ein ähnliches Verfahren an.
Das dazugehörige Video-Tutorial gibt's auch auf vimeo.

 

 

Neuen Kommentar schreiben