Blog-Eintrag

Sony A7 & Samyang Fisheye

Im kommerziellen Bereich ist Panoramafotografie ohne Fisheye kaum denkbar.
Das Canon f4/8-15mm hat sich dabei zum Allrounder an der Canon Vollformat entwickelt.
Es wird in der Regel bei 10 oder 12mm Brennweite am single-row Panoramasystem KISS eingesetzt und ermöglicht dann mit 4 Aufnahmen ein voll sphärisches Panorama. Genauso an der D700/D800 eingesetzt, muss das f2,8/10,5mm DX-Nikkor vorher rasiert werden.
Am APS-C-Format ist die mit Abstand beliebteste Panoramalinse nach wie vor das Sigma f3,5/8mm, das - wie auch das erwähnte Canon 0815 - von Haus aus ohne feste Sonnenblende geliefert wird.

In dem Aufsatz "Fischeier muss man rasieren" habe ich bereits die Fisheye-Rasur erläutert und darauf hingewiesen, dass ein 10mm-Fisheye das optimale Panoramaobjektiv am Vollformat für voll sphärische Panoramen ist. Tobias Vollmer, der in Fachkreisen bekannte "Fisheye-Barbier aus dem Schwarzwald", rasiert die Fisheye-Objektive wie das 10,5er Nikkor, das Tokina 107 oder das 10mm Sigma zuverlässig und schnell. Man muss die Linse also nicht selbst mit Teppichmesser und Laubsäge malträtieren. Und weil dann ohne Sonnenblendenstummel der Original-Objektivdeckel zu kurz ist, liefert Tobias auch gleich einen neuen Objektivdeckel mit.

Inzwischen sind auch bei Panoramafotografen spiegellose Systemkameras weit verbreitet.
Für die APS-C-Kameras von Fuji ("X-Pro" u.ä.), Samsung ("NX") und Sony ("NEX") und die MFTs von Olympus und Panasonic gibt es zwar Fullframe Fisheyes, aber keine kürzeren "Portrait-Fisheyes", die 180° Bildwinkel über die Sensorlänge bringen. Man kann lediglich das für MFTs vorgesehene 7,5mm Samyang rasieren und an die NEX oder die Fuji adaptieren. Das hatte ich im letzten Aufsatz bereits beschrieben.

Sony A7 mit rasiertem SamyangInteressanter und viel einfacher sind allerdings die Möglichkeiten mit der spiegellosen Systemkamera Sony A7/R: Dank E-Bajonett lässt sich das f2,8/8mm Samyang direkt an der A7/R nutzen, wenn man das Objektiv rasiert. Bei einem Bildkreisdurchmesser von ca. 30mm liefert das kleine Fisheye auf dem A7/R-Vollformatsensor über 180° Bildwinkel. Die Verhältnisse sind also ähnlich wie beim Canon 0815 an der 5D und dem 10,5mm Nikkor an der D800. Dabei hat das Samyang gegenüber diesen DSLR-Objektiven bei der Panoramafotografie den großen Vorteil, dass alles manuell eingestellt wird. Dank Fokus-Peaking ist das an der A7/R kein Problem sein, selbst mit geschlossener Blende.
Die sehr preiswerte Linse ist an der NEX6 ungewöhnlich gut. Das Preis-Leistungsverhältnis ist hervorragend. Wir empfehlen Sie auch zur Verwendung mit dem SLANT an der NEX6/7 und an den Fuji X-Systemkameras. Über die Diagonale des APS-C-Sensors liefert sie ca. 175° Bildwinkel.
Was liegt also näher, als diese Linse rasiert an der A7/R als Portrait-Fisheye zu verwenden. Dennoch blieb die Frage, wie sich die Linse an der A7 bewährt. Ich hatte bereits in dem Aufsatz "Quo vadis, Sony ?" auf die besondere Problematik hingewiesen, die sich bei der A7/R aus dem kurzen Auflagemaß des E-Bajonetts in Verbindung mit dem großen Sensor ergibt: Eigentlich ist an der A7/R bei Verwendung kurzer Brennweiten mit einem starken Lichtabfall und Farbverschiebungen zum Rand hin zu rechnen. Für "normale" Fotografie mögen Lichtabfall und daraus resultierende Farbverschiebungen ja stören.
Bei der Panoramagenerierung aber kann gute Stitching-Software den cos4 Lichtabfall ja kompensieren. 

So war ich sehr gespannt auf die ersten Tests mit der A7 und dem rasierten f2,8/8mm Samyang.
Der Sensor der A7 mißt 6000x4000 Pixel. Der Bildkreisdurchmesser der Linse beträgt 30mm, an der A7 entsprechend 5000 Pixel. An der A7/R im Hochformat beträgt der horizontale Bildwinkel 160°. So kann man leicht mit nur 3 Aufnahmen in single-row-Technik ein voll sphärisches Panorama erstellen, bei dem die Quellbilder 33% überlappen. 

Optimizer-MeldungSofort nach dem Auspacken der Kamera musste sie mit dem f2,8/8mm Samyang am KISS NPA zeigen, was sie kann. Da die Kamera-Objektivkombination so kompakt und leicht ist, habe ich den MiniRotor unter dem KISS verwendet und 3 Aufnahmen auf 360° gemacht (manuelle Belichtung, Fokus 2m, Blende 8) und in PTGUI geladen. Trotz JPG-Format war auf Anhieb der mittlere Kontrollpunktfehler unter 1 Pixel. Der Optimizer von PTGUI ermittelt bei der Vorgabe "circular fisheye" eine Brennweite von 10,5mm. Das liegt daran, dass PTGUI von einer "normalen" Fisheye-Projektion ausgeht und die tatsächliche Projektion über die Verzeichnungsparameter a, b und c fittet. Das Stitching-Ergebnis war auf Anhieb sehr gut. Das Panorama weist eine Auflösung von 10k Pixel auf 360° auf, und ist in der Qualität vergleichbar mit dem, was die D600/D800 mit dem 10,5mm Nikkor liefert.

Das 8er Samyang vor und nach der TeilrasurWir haben unsere A7/R-Bestandskunden auf diese Möglichkeit hingewiesen und in Folge mehrere single-row-Panorama-Sets bestehend aus KISS und Rotator für die Sony A7/R mit dem Samyang ausgeliefert. Da das Objektiv idealerweise nur eine Teilrasur erfahren sollte, haben wir die Linsen besorgt, im Auftrag unserer Kunden rasiert und mit dem KISS Nodalpunktadapter geliefert. Inzwischen haben wir auch eine Objektivkappe verfügbar. Sie ist passgenau und schützt die vorstehende Frontlinse des rasierten Objektivs zuverlässig.

Wir rasieren das Objektiv völlig staubgeschützt und ohne größere mechanische Belastung. Wir liefern den Kunden unseres Panorama-Sets das Objektiv teilrasiert samt Objektivkappe.  

Wie ich bereits an anderer Stelle beschrieben habe, weist das Objektiv eine vom Typ her stereographische Projektion auf. Die Abbildung folgt der Gleichung R=k·f·tan(α/k) mit k=3,0 und f=8,5mm. Diese Projektion ist ausgesprochen vorteilhaft, denn sie komprimiert das Bild am Bildfeldrand nicht (wie z.B. das 10,5er Nikkor), sondern dehnt es derart, als nehme die Brennweite vom Zentrum zum Rand von 8,5mm auf 11,5mm Brennweite zu. Diese Dehnung ist auch der Grund dafür, dass der Bildwinkel dieses "8mm" Samyang am Vollformat nicht vergleichbar ist mit dem des 8mm Sigma, sondern eher mit dem des 10mm Sigma oder dem des Canon 0815 bei 10mm Brennweite. 
Ebenso vorteilhaft bei der Panoramafotografie ist die vergleichsweise geringe Winkelabhängigkeit der Position der Eintrittspupille. Dabei sticht die Linse alle DSLR-Fisheyes aus - selbst das wenigstens diesbezüglich sehr gute f3,5/8mm Samyang.

Generator-Meldung PTGUIIch habe mit der Linse an der Sony A7 einige Test-Panos mit nur 3 Quellbildern in erstellt. Die generische Auflösung des Panoramas beträgt dann 9860x4930 Pixel. Wenn man mit 4 Bildern auf 360° arbeitet, ist die generische Größe des Panoramas über 10k Pixel. Unten finden Sie die Quellbilder in JPG für ein Pano, das PTS-File von PTGUI und das fertig gestitchte Panorama. 

Alles in allem ist die A7 mit dem f2,8/8mm Samyang das perfekte Setup für voll sphärische Panoramen in single-row-Technik. Das Setup hat das Potential, sich zum Standard für Panoramafotografie im Hotel- und Gaststättengewerbe zu entwickeln. Das single-row Panoramasystem bestehend aus KISS und MiniRotor ist den kompakten Maßen der Kamera angemessen. Nodalpunktadapter und MiniRotor wiegen zusammen 225 Gramm, Kamera und Objektiv bringen 660 Gramm auf die Waage.

Vignettierungskorrektur in PTGUIDa hier nicht die Qualität der Aufnahmen im Vordergrund stand, habe ich JPG gewählt und den Weg über Lightroom gespart. Auch die CA wurde also nicht korrigiert. Die automatische Vignettierungskorrektur in PTGUI ist die einzige Korrektur, die die Aufnahmen erfahren haben. Nicht ein einziges Pixel wurde manuell verändert. Die Aufnahmen entstanden bei sehr kritischem Mischlicht im Büro. Sie lassen keine Rückschlüsse auf Farbverschiebungen zu. Das Test-Pano wurde als JPG von 42MB auf 10MB skaliert und etwas aufgehellt, da die manuelle Belichtung etwas knapp bemessen war. Das PTS-File wurde in PTS.txt umbenannt.

Selbstverständlich wird man normalerweise mit RAW-Format arbeiten, dann in Lightroom die CA korrigieren und als TIF in PTGUI laden. In der Praxis wird man auch nicht 3 sondern 4 Aufnahmen auf 360° machen. Die generische Panoramagröße beträgt dann aufgrund der Projektion der Linse ca. 10160 Pixel.

AnhangGröße
Image icon Bild1.JPG4.47 MB
Image icon Bild2.JPG5.13 MB
Image icon Bild3.JPG5.09 MB
Plain text icon PTS.txt11.24 KB
Image icon Test-Pano.jpg9.45 MB

Kommentare

Hallo Herr Hopf,
auch ich finde die Sony in Verbindung mit einem manuellen (ggf. adaptierten) Objektiv eine sehr schöne Kombination.
Optisch alles tipp topp, aber leider sind die anderen für die Panofotografie wichtigen Dinge ... etwas exzentrisch ... gelöst:
HDR Belichtungsreihen gehen nicht so komfortabel einzustellen wie bei anderen Kamerasystemen und für Mastpanoramen fehlt derzeit noch das Zubehör (ein simples Kabel für den neuen Multiport Anschluss .... ), um per Fernauslöser Panofotografie auf dem Mast zu betreiben.

Aber ansonsten gilt: Dicke und schwere Kamera/Linsenkombinationen ade, und das bei sehr guter Bildqualität ;-) !

Wichtige Dinge exzentrisch gelöst ... ja, das ist schön formuliert.
Bei Sony sind offenbar immer noch nur detailverliebte Elektroniker am Werk und keine praxisorientierten Fotografen.

zum Thema Fernauslöser:
Da hat Sony der Kamera eine WIFI Verbindung auf Tablets und Smartphones mit den entsprechenden kostenlosen Apps spendiert. Auf einem Mast habe ich die Fernbedienung noch nicht probiert, aber im Freien schon. Funktioniert mit Ipad + Samsung Galaxy Note 3 wunderbar. In der neuesten Softwareversion (3.0?) ist sogar Fokussieren, Belichtungssteuerung und Preview möglich. Ausgelöst wird per Fingertip auf das Smartphone.
heisst: Kabelgebundener Fernauslöser ade...

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