Blog-Eintrag

Das Lumix Fisheye ist da !

Über 35 Jahre lang habe ich ohne Fisheye fotografiert. Erst mit der Panoramafotografie hat sich das geändert: Dafür wurde das Fisheye die am meisten genutzte Linse - bisher allerdings an der schweren Nikon D3.  
Aber jetzt gibt es das Fisheye-Systemobjektiv zur Lumix GF1.
Einen ersten Erfahrungsbericht über dessen Einsatz als Panorama-Objektiv finden Sie hier.

Ich gehe nicht auf die bereits zugänglichen Daten und Spezifikationen des Herstellers ein, sondern verweise diesbezüglich auf Lumix und dpreview.com.

Das MicroFourThirds ("MFT")-Format bringt für Panoramafotografie große Vorteile, insbesondere durch die große Schärfentiefe im Vergleich zum Vollformat und das geringe Gewicht der Komponenten. Entsprechend attraktiv sind die MFT-Kameras für die Panoramafotografie - und sie werden mit einem Fisheye im Objektivsortiment noch attraktiver, wenngleich ein 5,5mm ("Portrait"-) Fisheye dafür noch besser geeignet wäre als eine 8mm-Linse. 

G2 mit 8er FisheyeDas neue Lumix-Fisheye ist eine Traum-Linse an den Lumix G-Modellen oder der PEN.
Das ist kein Vergleich zu einer mittels MFT-Adapter angebrachten 8mm-Fisheye-Linse aus dem Spiegelreflex-Sortiment. Das Lumix ist mit nur 165 Gramm das mit Abstand leichteste "stand alone" Fisheye am Markt - es wiegt genau halb soviel wie das leichte 10,5er Nikkor. Und während das 5,6mm-Sunex Panorama-Fisheye trotz Fixfokus fast dreimal so schwer ist wie das 8er Lumix, verfügt letzteres sogar über einen eingebauten Schrittmotor zur Innenfokusierung "by wire". 

Das lässt darauf schließen, dass sehr wenig aber dafür umso effizienter "Glas" verbaut wurde. Ohne ED-Linse wäre das nicht möglich. Entsprechend schwach treten die CA-Farbsäume bei diesem Objektiv auf: Sie sind im RAW-Format praktisch nicht sichtbar. Eine vergleichbar geringe CA habe ich bisher bei noch keiner Fisheye-Linse gesehen. Die Linse hat - ähnlich wie die Fisheye-Vorsatzlinse zur NEX - auch keine sehr stark gewölbte Frontlinse und wird an der Kamera nicht als Fisheye wahrgenommen.

Das neue MFT-Fisheye komplettiert die Brennweiten jetzt im unteren Bereich wie folgende Tabelle zeigt:

Brennweiten und Bildwinkel für das MFT-Format (17,3mmx13,0mm)

8mm (F) 7mm 14mm 17mm 20mm
DFOV 180° 114° 75° 65° 57°
HFOV 132° * 102° 63° 54° 47°
VFOV  97° *  86° 50° 42° 36°

     DFOV, HFOV und VFOV stehen für diagonalen, horizontalen und vertikalen Bildwinkel;
     * ermittelt mit PTGUI Fokus auf ca. 1m

Zunächst bestimmen wir die NPP-Position, besser gesagt, den "least parallax point" LPP.
Wie bei allen Fisheye-Objektiven ist auch beim 8er Lumix die Position der Eintrittspupille nicht fix, sondern hängt vom Winkel des einfallenden Strahls zur optischen Achse ab. Für den Einsatz in der Panoramafotografie ist diese Winkelabhängigkeit ungünstig und daher relevant. Ich werde das Thema hier nicht vertiefen, sondern zu einem späteren Zeitpunkt in einem eigenen Blog posten.

Den Gang der LPP-Position für das Lumix und zwei Vergleichsobjektive zeigen wir in folgender Tabelle:

Winkelabhängigkeit der LPP-Position im Vergleich (45°≡0)
Objektiv 30° 40° 50° 60°
Lumix
8mm
-1,3mm -0,6mm +0,8mm n.a.
Sigma
3,5/8mm
 -1,0mm  -0,5mm  +1,0mm  +2,5mm
Sonx NEX
16mm + ECF1
-2,7mm -1,0mm +0,7mm +2,0mm

Je stabiler die LPP-Position ist, desto kleiner sind die Abweichungen vom 45°-Referenzwert. Das Lumix Fisheye zeigt eine vergleichsweise schwach ausgeprägte Winkelabhängigkeit und ist diesbezüglich recht gut für Panoramaaufnahmen geeignet.
Dagegen zeigt das Fisheye ein deutliches "Atmen": der Bildwinkel ändert sich spürbar abhängig vom Fokus. Der Autofokus sollte daher bei Panoramaaufnahmen ausgeschalten sein. "Tapen", also das Fixieren des Fokusrings auf Hyperfokaleinstellung ist aufgrund des "focus-by-wire" nicht möglich. 

Nach der Bestimmung der LPP-Position, der Position des Eintrittspupille, statten wir den KISS Nodalpunktadapter unserer GF-1 gleich mit der entsprechenden Gewindebohrung aus und nehmen ein paar Zylinder-Panoramen auf. PTGUI liest die RAW-Files der GF-1, findet darin aber keine Angaben über die Linse. Brennweite und Linsentyp muss man also in PTGUI manuell eintragen. In den EXIF-Daten des JPEG-Formats sind die Objektivdaten richtig und für PTGUI erkennbar hinterlegt.
Linsenparameter nach PTGUI (interner Link)PTGUI liefert uns reproduzierbar die gefitteten Objektivdaten für das Fisheye und stitcht die Einzelaufnahmen perfekt zu einem Panorama. In Hochformat-Stellung sind fünf, im Querformat vier Aufnahmen für ein 360°-Zylinderpanorama erforderlich.
Für ein voll sphärisches ("Kugel")-Panorama reichen deren 5+1+1, wobei die Zenit- und Nadir-Freihandaufnahmen in PTGUI mit der "Viewpoint Correction" nachträglich eingebaut werden.

Folgende Parameter eignen sich als Default-Werte in PTGUI für das 8mm Fisheye 


Crop f /mm HFOV a b c
PanoTools Linsenparameter für das Lumix Fisheye (an der GF-1)
Lumix 8mm 2,0 8,0 132°  -0,01 -0,01 -0,01

Lumix GF1 mit dem Fisheye auf dem KISS Panorama-Set

Das neue, sehr gefällige Fisheye ist bestens für Panoramaaufnahmen mit einer MicroFour-Thirds Kamera geeignet: Die Linse ist klein, leicht und überzeugt mit Abbildungsleistungen.
Der "Nodalpunkt" steht sehr stabil. Entsprechend steht die Qualität der damit angefertigten Panoramen jener aus der Vollformatkamera in nichts nach.
Im Gegenteil: Das geringe Gewicht des MFT-Panoramasystems ist sogar ein entscheidender Vorteil.
Lediglich das Einfügen der Pol-Aufnahmen in einem voll sphärischen Panorama mittels Viewpoint Correction ist etwas aufwendiger als bei der Vollformat-Kamera mit Portrait-Fisheye: letztere würde den Zenit bereits mit 3(+1) Aufnahmen schließen.

Ich bin von dem 8er Fisheye als Panorama-Objektiv an der GF1 begeistert und es wird vielen Panoramafotografen ebenso gehen. Die Kamera passt perfekt zu unserem Konzept: Leicht und präzise - und dank der geringen Abmessungen immer dabei.

Nachtrag 14.12.2010: Aufgrund mehrerer Anfragen haben wir heute ein Pano, aufgenommen mit der Lumix GF1 und dem o.a. Fisheye hier zugänglich gemacht. Die Quellbildern und das PTS-File finden Sie ebenfalls hier.

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