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Panorama mit Zoom-Objektiv

Der Besitzer einer Digitalkamera hat die Möglichkeit, das Bild, insbesondere Belichtung und Fokus, unmittelbar nach der Aufnahme am Display zu kontrollieren.

Jedoch - ob Aufnahmen einwandfrei zu einem Panorama gestitcht werden können, erkennt man erst zuhause am Rechner. Fatal ist: Parallaxenfehler oder auch fehlende Bildteile mangels Bildüberlapp können nachträglich nicht korrigiert werden.

Will man solche Fehler sicher vermeiden, ist nur ein Weg wirklich zielführend: 

Man muss die Variabilität bei der Aufnahme so weit wie möglich einschränken.

Nur wo sich nichts verstellen lässt, kann man nichts verkehrt einstellen.

Diesen bewährten Ansatz haben wir auch bei der Konzeption unserer Panoramasysteme zugrunde gelegt und konsequent umgesetzt. Und dennoch lassen sich geeignete Zoom-Objektive am KISS-Panoramasystem problemlos einsetzen, was insbesondere dem Panorama-Einsteiger entgegenkommt. Gerade er will das eine oder andere ausprobieren, natürlich auch verschiedene Objektive, auch Zoom-Objektive. Die preisgünstigen, meist nicht sehr lichtstarken Kit-Objektive der Systemkameras sind durchaus brauchbar für das Panorama bei jeder Gelegenheit, nicht nur im Urlaub.

Generell kann man sagen: Bei Zoom-Objektiven verändert sich die Nodalpunktposition mit der Brennweite. Wie stark diese Variation ist, hängt maßgeblich von der optischen Konstruktion des Objektivs ab.

Es gibt richtig gutmütige Zoom-Objektive, also solche, bei denen die Position der Eintrittspupille nur marginal mit der Brennweite variiert. 
Das beliebte Canon Fisheye-Zoom f4/8-15mm ebenso wie das Nikon f3,5-4,5/18-35mm G-Nikkor zählen dazu, das Fuji XF f4/10-24mm, das Sigma f3,5/10-20mm DC, das Sony SAL1118, praktisch alle Tokina Weitwinkel-Zooms und fast alle Panasonic/Lumix G-Varios. Mit ihnen und einigen anderen kann man am Panoramasystem praktisch den gesamten Brennweitenbereich mit nur einer Nodalpunkteinstellung nutzen.

Nodalpunktgang hinreichend gutmütiger Linsen

Zahlreiche andere Weitwinkel-Zooms sind hinreichend gutmütig. Soll heißen: Die Eintrittspupille variiert zwar einige Millimeter mit der Brennweite, aber die Abweichungen von der Position am Weitwinkelanschlag sind so gering, dass das in der Panorama-Praxis nicht zu Stitchingfehlern führt. Der Grund ist, dass es für die Nodalpunktposition eine zulässige Toleranz gibt. Sie hängt tatsächlich nur vom Abstand zum Nahpunkt im Sujet ab und beträgt 1,5mm pro Meter Abstand (weiteres dazu hier). Und da man längere Brennweiten in der Panoramafotografie nur dann einsetzt, wenn auch der Aufnahmeabstand groß ist – wer macht schon ein Panorama in seinem Badezimmer mit langer Brennweite – reicht es bei solchen Zoom-Objektiven aus, wenn das Panoramasystem für den Weitwinkelanschlag genau eingestellt wird. Trotzdem kann man dann den gesamten Brennweitenbereich ohne Anpassung des Panoramasystems verwenden. Bei etwa der Hälfte der Zoom-Objektive ist das so.

Nodalpunktgang der Fujinon XF-ZoomsVor allem die neuen, lichtstarken Zoom-Objektive (s. unten) und die typischen Reise-Zooms wie das f4/24-120mm G-Nikkor sind für Panoramafotografie mit variabler Brennweite kaum zu gebrauchen. Hier dargestellt sind die beiden wenig panoramatauglichen Fujinon-Zooms XF 1655 und XF 1855 im Vergleich zum sehr "gutmütigen" XF 1024.

Wie kritisch sich ein Zoom verhält, erkennt man schnell auch ohne Messung, wenn man das Objektiv abblendet und von vorne ins Objektiv schaut. Man sieht dann das Bild der Iris. Dreht man dann am Zoom-Ring, wird sich deren scheinbare Position verschieben. Beginnend am Weitwinkelanschlag wandert sie häufig zunächst nach hinten Richtung Stativgewinde um dann gegebenenfalls am langen Ende wieder nach vorne zu kommen. Das ist das Merkmal für hinreichend gutmütige Linsen. Im ungünstigsten Fall wandert die Position der Eintrittspupille monoton und weit nach hinten Richtung Sensor: Ein Zeichen für mangelnde Eignung für Panoramafotografie – zumindest, wenn man die Brennweite variieren will.

Anmerkungen:

 

  • Man sieht in dem Fall nur das Bild der Iris. 
    Die Iris selbst sitzt an einer anderen Stelle. 
    Die Eintrittspupille ist das Bild der Iris.

  • Der Nodalpunktgang dieser "immer-drauf"-Zoom-Objektive ist bei der normalen Fotografie eine durchaus wünschenswerte Eigenschaft: In der Tele-Stellung befindet sich die Eintrittspupille weit hinten im Objektiv und die wirksame Länge der Sonnenblende ist dann lang. In der Weitwinkelstellung befindet sich die Eintrittspupille vorne, also näher an der Frontlinse und die wirksame Länge der (selben !) Sonnenblende ist dann kurz - genau wie es sein soll. Daher kommen diese Zoom-Objektive mit nur einer Sonnenblende bei allen Brennweiten gut aus.

 

In den letzten Monaten haben alle Hersteller spiegelloser Systemkameras lichtstarke 2,8er-Versionen ihrer Standard-Zooms auf den Markt gebracht.  

  • Fujinon XF f2,8/16-55 mm
  • Olympus M.Zuiko f2,8/12-40mm
  • Panasonic G-Vario f2,8/12-35mm 
  • Sony SAL f2,8/16-50mm

Diese zweifellos sehr guten Linsen sind – mit Ausnahme des G-Vario - für Panoramafotografie bei verschiedenen Brennweiten nicht wirklich geeignet.

Denn deren Nodalpunkt, genauer gesagt die Position der Eintrittspupille, variiert sehr stark mit der Brennweite. Dabei macht es auch keinen Unterschied, ob man ein flexibel einstellbares Panoramasystem oder ein kameraspezifisch konfiguriertes KISS-System von PT4Pano verwendet. Denn es ist illusorisch zu glauben, dass man im Feld jedesmal daran denkt, alle erforderlichen Systemeinstellungen anzupassen, wenn man die Brennweite verstellt. Ein flexibel einstellbares Panoramasystem bringt daher in der realen Praxis keinen Vorteil. Der Griff zum Zoom-Ring erfolgt fast unbewusst - erst recht bei den spiegellosen Systemkameras mit ständigem Lifeview-Bild.
 Ein Ändern der Brennweite verlangt in der Panoramafotografie auch eine Anpassung von Drehwinkel und ggfs. Rastung an den veränderten Bildwinkel – und in vielen Fällen eben auch die Anpassung des Nodalpunktabstands. 
Und eines vergisst man (fast) immer.
Daher lautet das einzig zielführende Rezept für hohe Ausbeute:
Variabilität reduzieren.

Panorama-Profis greifen deshalb zur Festbrennweite und vorzugsweise zum fest konfigurierten KISS Panoramasystem. Viele gehen dabei so weit, dass Sie das Objektiv „tapen“, also an ihrer Festbrennweite den Fokus und den Blendenring mit einem Klebeband dauerhaft fixieren. 
Für den Profi ist nichts blamabler, als dass er am Tag nach der Aufnahme beim Kunden anrufen und erklären muss: „Ich bedauere, ich muss morgen nochmal kommen und alles nochmal fotografieren. Ich hatte vergessen das Panoramasystem richtig einzustellen.“ 

 

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